Tiny Houses: Gesundschrumpfen als Wohntrend

Samstag, 3. November 2018 |  Autor:

46,5 Quadratmeter – Das ist die Wohnfläche, die jedem Bundesbürger im Jahr 2017 durchschnittlich zur Verfügung stehen. Mit 15
bis 20 Quadratmetern beträgt die Wohnfläche der meisten Tiny Houses noch nicht einmal die Hälfte davon. Dennoch bieten die mobilen Minihäuser alles, was man zum Leben braucht. Eine intelligente Raumaufteilung macht es möglich: Ein kleines separates Bad, ein Wohnbereich mit Kochnische, eine Schlafempore unter dem Dach.

Ihren Ursprung haben die Minihäuser in den USA. Als 2008 die Immobilienblase platzt, löst sie eine globale Wirtschaftskrise aus. Immer weniger Amerikaner können sich Wohneigentum leisten. Um sich den Traum vom Eigenheim dennoch zu erfüllen, weichen immer mehr Menschen auf kleine Häuser aus.

Aus der Not eine Tugend

Was aus der Not heraus entstanden ist, ist heute für viele Kleinhaus-Bewohner zur Tugend geworden. Downsizing lautet hier das Stichwort. Demnach entscheiden sich immer mehr Menschen ganz bewusst für das Wohnen auf kleinem Fuß. Ziel ist ein bewussterer und nachhaltiger Lebensstil durch die Konzentration auf das Wesentliche. Jeder zusätzliche Quadratmeter kostet mehr Arbeitszeit, um ihn zu finanzieren. Auch die Heizkosten steigen mit der Wohnfläche. Das Credo der Small House Community lautet: Schrumpfe Dein Haus und Du hast mehr Zeit für das, was wirklich wichtig ist: Zu Wohnen und zu Leben.

Dabei schonen Kleinhaus-Bewohner nicht nur das eigene Zeit- und Geldkonto, sondern auch die Umwelt. Die Rechnung scheint einfach: Weniger Wohnfläche bedeutet weniger Ressourcen für den Hausbau. Auch der Energiebedarf für den laufenden Betrieb wie für die Heizung sinkt mit der Anzahl der Quadratmeter. So belegt eine Studie der amerikanischen Colby Universität: Durch den Umzug aus einem Haus mit einer amerikanischen Durchschnittsfläche von 241 Quadratmetern in ein baugleiches 17 Quadratmeter Tiny House ließen sich jährlich rund 12 Tonnen CO2 einsparen.

Kein Wunder also, dass es in Zeiten immer knapper werdender Ressourcen mittlerweile eine ganze Bewegung gibt, die das Leben auf schmalen Fuß propagiert. Das sogenannte Small House Movement findet auch hierzulande immer mehr Anhänger.

Tiny Houses in Deutschland

So auch in Bremen, wo gerade eine der ersten Dorfgemeinschaften für Kleinhäuser auf deutschem Boden entsteht. Unter dem Projektnamen Tiny House Bremen suchen die Initiatoren aktuell nach Gleichgesinnten, die sich auf einen Stellplatz auf dem Gemeinschaftsgrundstück bewerben können.

Ein ähnliches Projekt, das sich bereits in der Umsetzung befindet, ist das Tiny House Village im bayrischen Fichtelgebirge. Hier lebt eine Gemeinschaft aus 15 festen Dorfbewohnern. Ebenfalls Bestandteil der Community sind Tiny Houses zum Probewohnen und Urlaub machen. Wer einmal testen möchte, ob das Leben auf kleinem Fuß etwas für ihn ist, dem bietet sich hier eine gute Gelegenheit.

Weniger ist nicht immer mehr

Weniger Wohnfläche bedeutet weniger Energiebedarf für den Hausbau, die Heizung und Strom. Eine Rechnung, die Hersteller von Tiny Houses potenziellen Kunden gerne vorrechnen. Dies ist jedoch nur bedingt richtig. Fakt ist: Bei Baugleichheit wird ein kleines Haus immer weniger Energie benötigen als ein baugleiches größeres Haus. Da in der Praxis jedoch kaum eine Immobilie der anderen gleicht, geht mit dem Umzug in ein kleineres Haus nicht zwingend eine Energieersparnis einher.

So kann ein größeres, gut gedämmtes Passivhaus weniger Heizenergie benötigen als ein schlecht gedämmtes Minihaus. Deshalb ist es wichtig, auch bei einem Tiny House auf gute Energiestandards zu achten. Tatsächlich ist es so, dass Anbieter hier häufig an der Gebäudeisolierung sparen, um Wanddicke und das Transportgewicht zu reduzieren. Bevor es zu einem Kauf kommt, sollten sich Eigentümer deshalb gut über den energetischen Zustand das Mikrohauses informieren.

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Thema: Bauen

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